PRESSE-INFORMATION zum 2. Stiftungstag der Caritasstiftung in der Diözese Limburg

Die Gewinner des Stiftungspreises 2019

Stiftungsvermögen bündeln und große Chancen für eine blühende Zivilgesellschaft nutzen
Diskussionsrunden und Preisverleihung beim 2. Stiftungstag der Caritasstiftung

Renom­mier­te Exper­ten, Ex-Fuß­ball Pro­fi Roman Wei­den­fel­ler und 200 Teil­neh­mer dis­ku­tier­ten beim 2. Stif­tungs­tag der Cari­tas­stif­tung in der Diö­ze­se Lim­burg über die Bedin­gun­gen und Wir­kung von sozia­lem Enga­ge­ment.

Lim­burg, 24. Sep­tem­ber 2019. Vor­den­ker, Impuls­ge­ber, Ret­tungs­an­ker – Stif­tun­gen über­neh­men viel­fäl­ti­ge Rol­len und tra­gen dabei gro­ße Ver­ant­wor­tung. Das mach­ten beim 2. Stif­tungs­tag der Cari­tas­stif­tung in der Diö­ze­se Lim­burg Exper­ten aus Poli­tik, Gesell­schaft und Wirt­schaft in ange­reg­ten Talk­run­den deut­lich. Als wei­te­res High­light zeig­te die Ver­lei­hung des Stif­tungs­prei­ses, wel­che viel­ver­spre­chen­den Lösungs­an­sät­ze aus regio­na­lem Enga­ge­ment ent­ste­hen kön­nen.

Stif­tun­gen über­neh­men welt­weit tag­täg­lich vie­le wich­ti­ge Auf­ga­ben, die dem Groß­teil der Men­schen über­haupt nicht bewusst sind“, erklär­te Son­ja Peichl, Geschäfts­füh­re­rin der Cari­tas­stif­tung in der Diö­ze­se Lim­burg. „Zuneh­mend sind es Stif­tun­gen, die ein mehr an Soli­da­ri­tät in unse­rer Gesell­schaft ermög­li­chen und für die Wür­de des Men­schen in Demo­kra­tie, Viel­falt und Frei­heit ste­hen“, ergänz­te Jörg Klär­ner, Diö­ze­sanca­ri­tas­di­rek­tor und Vor­stands­mit­glied der Cari­tas­stif­tung.

In einer Video­bot­schaft ging auch Bischof Dr. Georg Bät­zing auf die Bedeu­tung des Stif­tens ein: „Stif­ten heißt nicht Schen­ken, Stif­ten heißt Säen.“ „Hin­ter Stif­tun­gen steht ein dyna­mi­scher Pro­zess, der auf Wachs­tum ange­legt ist und dar­auf, dass Men­schen mit den Anlie­gen der Stif­ter in Berüh­rung kom­men.“

Mode­ra­tor Frank Leh­mann sprach mit den Podi­ums­teil­neh­mern unter ande­rem über die Not­wen­dig­keit eines Umden­kens inner­halb der Stif­tun­gen. Felix Olden­burg, Gene­ral­se­kre­tär des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Stif­tun­gen und Dr. h. c. Bea­te Heraeus, Vor­stands­vor­sit­zen­de der Heraeus Bil­dungs­stif­tung, plä­dier­ten dafür, dass sich mehr Stif­tun­gen zusam­men­schlie­ßen, um gebün­delt ihre Zie­le zu ver­fol­gen und grö­ße­re Wir­kung zu erzie­len. Die Her­aus­for­de­run­gen in Zei­ten von Nied­rig­zins und Digi­ta­li­sie­rung soll­ten als Chan­cen ver­stan­den wer­den, meint Dr. Rupert Graf Strach­witz, Direk­tor des Maece­na­ta Insti­tuts für Phil­an­thro­pie und Zivil­ge­sell­schaft, denn: „Jetzt müs­sen die Stif­tun­gen sich anstren­gen. Sie müs­sen über­le­gen, was sie ein­brin­gen. Das ver­langt die Gesell­schaft.“ „Sol­che gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Pro­zes­se kos­ten jedoch Zeit“, gab Minis­ter für Wis­sen­schaft, Wei­ter­bil­dung und Kul­tur des Lan­des Rhein­land-Pfalz, Prof. Dr. Kon­rad Wolf, zu beden­ken. Das sei ein Vor­teil der Poli­tik als Orga­ni­sa­ti­ons­form, denn so wer­den die getrof­fe­nen Ent­schei­dun­gen nach­hal­tig und sta­bi­li­sie­rend.

In einer wei­te­ren Talk­run­de spra­chen der Glücks­for­scher Prof. Dr. Karl­heinz Ruck­rie­gel und Roman Wei­den­fel­ler dar­über, dass ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment das Leben berei­chert. Der Fuß­ball-Welt­meis­ter setzt sich als Bot­schaf­ter der Stif­tung roterkeil.net gegen Kin­der­pro­sti­tu­ti­on ein, um miss­brauch­ten Kin­dern eine Stim­me zu geben. „Ich habe das Glück gehabt, in einem behü­te­ten Eltern­haus auf­zu­wach­sen, hat­te alle Mög­lich­kei­ten und Frei­hei­ten. Nun möch­te ich etwas von die­sem Glück zurück­ge­ben.“ Nach den Regeln der Glücks­for­schung macht ihn die­ses Ehren­amt zu einem zufrie­de­ne­ren Men­schen. Prof. Ruck­rie­gel: „Men­schen, die sich ehren­amt­lich enga­gie­ren, wei­sen bes­se­re Zufrie­den­heits­wer­te auf.“

In der drit­ten Dis­kus­si­ons­run­de frag­te Mode­ra­tor Leh­mann, wie Stif­tun­gen, Poli­tik und Wohl­fahrt im Hin­blick auf den demo­gra­fi­schen Wan­del bes­ser an einem Strang zie­hen kön­nen. Dar­auf ant­wor­te­te Andre­as Esche von der Ber­tels­mann­Stif­tung, dass die Aus­wir­kun­gen der Alte­rung unser jet­zi­ges Sys­tem in Zukunft über­for­dern wür­den. „Es gibt jedoch kein Minis­te­ri­um für Demo­gra­fie, das wäre zu kom­plex.“ Eine gemein­sa­me Stra­te­gie, wie sie sein Bereich der „Mega­trends“ ins Auge fasst, stel­le eine ech­te Her­aus­for­de­rung dar. Die ehe­ma­li­ge Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Prof. Dr. Ursu­la Lehr ver­wies auf kon­kre­te Pro­ble­me, die oft über­gan­gen wer­den. Bei­spiels­wei­se auf die stei­gen­de Zahl der Ein-Per­so­nen-Haus­hal­te bei über 80-Jäh­ri­gen oder die oft vor­herr­schen­de räum­li­che Distanz zwi­schen den ver­schie­de­nen Genera­tio­nen einer Fami­lie. Horst Krum­bach hat mit sei­nem Pro­jekt Genera­ti­ons­brü­cke Deutsch­land einen wich­ti­gen Ansatz für eine Annä­he­rung von Jung und Alt geschaf­fen: Als ers­tes genera­tio­nen­ver­bin­den­des Sozi­al­un­ter­neh­men Deutsch­lands initi­ie­ren sie regel­mä­ßi­ge lang­fris­ti­ge und gut vor­be­rei­te­te Begeg­nun­gen zwi­schen alten pfle­ge­be­dürf­ti­gen und jun­gen Men­schen. Dank der För­de­rung von Stif­tun­gen fei­ert die­ser Ansatz, der bereits an 238 Orten zum Ein­satz kommt, bun­des­weit und inter­na­tio­nal Erfol­ge.

Stif­tungs­preis: För­de­rung für drei Genera­tio­nen­pro­jek­te

Wie las­sen sich die Fol­gen des demo­gra­fi­schen Wan­dels durch sozia­les Enga­ge­ment auf­fan­gen? Das war auch das zen­tra­le The­ma des Stif­tungs­prei­ses für Sozia­les „Gemein­sam Zukunft gestal­ten“, der an die­sem Abend erst­ma­lig ver­ge­ben wur­de. „Es erreich­ten uns 15 bunt gemisch­te Ide­en zum The­ma Jung und Alt gemein­sam“, so Son­ja Peichl von der Cari­tas­stif­tung. Über­zeu­gen konn­ten drei Genera­tio­nen­pro­jek­te aus dem Bis­tum Lim­burg, die die Stif­tung mit ins­ge­samt 10.000 Euro Preis­geld för­dert. Bei der Ent­schei­dung hat die Jury beson­ders auf Über­trag­bar­keit, Nut­zen und Fort­füh­rungs­per­spek­ti­ve geach­tet.

Bevor die gela­de­nen Gäs­te und inter­es­sier­ten Stif­ter beim anschlie­ßen­den Emp­fang des 2. Stif­tungs­ta­ges über die zahl­rei­chen Impul­se wei­ter­dis­ku­tier­ten, sorg­te der Men­tal­ma­gi­er Nico­lai Fried­rich mit sei­ner ver­blüf­fen­den Show für gute Stim­mung.

Die Preis­trä­ge­rin­nen und Preis­trä­ger des Stif­tungs­prei­ses für Sozia­les 2019:

1. Platz: Sozia­les Schul­halb­jahr im Hoch­tau­nus, 4.000 Euro

30 Schü­ler tref­fen sich mit 30 Senio­ren über sechs Mona­te lang an etwa 20 Ter­mi­nen im häus­li­chen Umfeld oder in einer Wohn­an­la­ge in Stein­bach: Ins­ge­samt ent­ste­hen wäh­rend eines Sozia­len Schul­halb­jah­res also 600 Kon­tak­te zwi­schen Alt und Jung. Jeweils ein Jugend­li­cher und ein älte­rer Mensch kön­nen in die­ser Zeit eine fes­te Bezie­hung zuein­an­der auf­bau­en, von­ein­an­der ler­nen und neue Impul­se für ihr Leben erhal­ten. Die Schü­ler ler­nen dar­über hin­aus den All­tag in den Pfle­ge­be­ru­fen ken­nen und trai­nie­ren ihre sozia­len Kom­pe­ten­zen. Das Sozia­le Schul­halb­jahr ist ab 2020 ver­pflich­ten­der Bestand­teil des Unter­richts an der Phorms­schu­le in Stein­bach und soll spä­ter durch die young­ca­ri­tas fort­ge­führt wer­den. Mit Unter­stüt­zung wei­te­rer Koope­ra­ti­ons­part­ner hat das Quar­tiers­ma­nage­ment des Cari­tas­ver­ban­des Hoch­tau­nus die­ses beson­ders nach­hal­ti­ge Pro­jekt ins Leben geru­fen, das durch die För­de­rung mit dem Stif­tungs­preis für Sozia­les dem­nächst auch an ande­ren Orten Schu­le machen könn­te.

2. Platz: Drei Genera­tio­nen ver­zah­nen sich im Aben­teu­er Glau­be – Kir­che im Grü­nen, Frank­furt, 4.000 Euro

Wie funk­tio­niert ein Smart­pho­ne? Wer kann noch häkeln? Die­se Fra­gen sol­len künf­tig geklärt wer­den, wenn drei Genera­tio­nen in der „Kir­che im Grü­nen“ zusam­men­tref­fen. Das Inno­va­ti­ons­pro­jekt der katho­li­schen Pfar­rei St. Mar­ga­re­ta Frank­furt hat ca. 3.000 m² eines Gärt­nerei­ge­län­des in Höchst zu einem Frei­luft­fa­mi­li­en­zen­trum umge­stal­tet. Ein beson­de­rer Ort für offe­ne und viel­fäl­ti­ge Begeg­nun­gen unter­schied­li­cher Grup­pen ist ent­stan­den. Nun wird die Durch­füh­rung von Genera­tio­nen­pro­jek­ten in Angriff genom­men. Durch die För­de­rung mit dem Stif­tungs­preis für Sozia­les sol­len not­wen­di­ge Anschaf­fun­gen finan­ziert wer­den, um das Ange­bot aus­zu­bau­en. Dann kön­nen sich bald drei Genera­tio­nen tref­fen, um sich bei­spiels­wei­se bei Som­mer­fes­ten, Pflan­zen­part­ner­schaf­ten, Back- und Koch­kur­sen bes­ser ken­nen­zu­ler­nen – oder wenn es heißt „Hand­ar­beit meets digi­ta­le Medi­en“ und „Kal­li­gra­phie gegen Power­point“.

 2. Platz: Nach­bar­schafts­bänk­chen im Main-Tau­nus-Kreis, 2.000 Euro

Vor Rena­te Brands Gar­ten­tor in Krif­tel steht das „Nach­bar­schafts­bänk­chen“. Sie und eine wei­te­re Nach­ba­rin laden aus Eigen­in­itia­ti­ve die Nach­bar­schaft aktiv ein, auf die­ser Bank Platz zu neh­men und mit­ein­an­der ins Gespräch zu kom­men. Ob das Han­dy erklärt oder Werk­zeug ver­lie­hen wird, ob Rezep­te oder Obst aus dem Gar­ten die Run­de machen – die Erfah­rung zeigt: Von dem Ange­bot pro­fi­tie­ren vor allem Senio­ren und jun­ge Fami­li­en, deren Groß­el­tern wei­ter ent­fernt woh­nen. Um dem Bezie­hungs­man­gel nicht nur in ihrer Gemein­de ent­ge­gen­zu­wir­ken, will Rena­te Brand auf einer Ver­an­stal­tung wei­te­re Mit­strei­ter und Stand­or­te für neue Nach­bar­schafts­bän­ke fin­den. Durch das Preis­geld­kön­nen neue Bän­ke für den Main-Tau­nus-Kreis ange­schafft wer­den. Rena­te Brand gibt damit nicht nur ihre Erfah­run­gen wei­ter, sie will auf die­sem Weg aktiv genera­tio­nen­über­grei­fen­de Ange­bo­te eta­blie­ren und das Enga­ge­ment in ihrer Regi­on mobi­li­sie­ren.

Über den Tag der Stif­tun­gen

Der 2. Stif­tungs­tag im Bis­tum Lim­burg ori­en­tiert sich am euro­pa­wei­ten Tag der Stif­tun­gen, der jedes Jahr am 1. Okto­ber statt­fin­det. Sein Anlie­gen ist es, dafür zu wer­ben, wie Stif­tun­gen das Gemein­wohl berei­chern und Bür­ger für die Stif­tungs­idee zu begeis­tern. Der Tag der Stif­tun­gen wur­de 2013 vom euro­päi­schen Donors and Foun­da­ti­ons Net­work (DAFNE) ins Leben geru­fen.

Über die Cari­tas­stif­tung in der Diö­ze­se Lim­burg

Die Cari­tas­stif­tung in der Diö­ze­se Lim­burg wur­de 2005 vom Cari­tas­ver­band für die Diö­ze­se Lim­burg e. V. als Dach­stif­tung gegrün­det. Ziel der Cari­tas­stif­tung unter der Schirm­herr­schaft des Bischofs em. Dr. Franz Kam­p­haus ist es, sozia­les Enga­ge­ment im Bis­tum Lim­burg finan­zi­ell zu unter­stüt­zen.

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Pressemitteilung vom 25.09.2019
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